Kapitel 10 – Der letzte Impuls
Die Bomben explodierten in absolut gleichmäßigen zeitlichen Abständen, genau so, wie Hannes es über seine perfekten Schulterrotationen steuerte. Schweiß rann ihm am Arm herab, doch er hielt durch – beflügelt vom Geschmack der Blaubeere auf seiner Zunge.
Währenddessen fragten sich fast alle Regierungschefs, warum sie überhaupt zugestimmt hatten. Wäre es nicht doch klüger gewesen, den Asteroiden direkt zu befeuern? Und wer hatte eigentlich entschieden, es nicht zu tun? Es war Taylor Swift – mit anmutiger Kraft der Vorahnung. Und so vertrauten die Regierungschefs dank Taylor ebenso in die Schulterrotationen von Hannes.
Die andauernden Explosionen am Satelliten rüttelten dessen Kadaver durch. Lang vermisste, verklebte Werkteile lösten sich, verschoben sich, wurden wieder an ihren Platz gedrückt. Die ersten drei Explosionen blieben ohne Effekt – doch die vierte brachte einen Funken. Ein kleiner Datenausschlag. Zwei Impulslinien, jahrelang tot und verstaubt, zeigten wieder Leben: eine Ausschlag nach oben, die andere nach unten. Mit jeder weiteren Explosion kam ein neuer Impuls, und dann… auch dazwischen. Er sendete wieder. Der Koloss – das Symbol aller Nationen – lebte!
Taylor nickte wissend, und die Regierungschefs aller Länder jubelten. Hannes spürte, wie seine Muskeln langsam ermüdeten, doch er machte weiter. Nur noch ein paar Bomben.
Der Satellit war zurück im Leben, die Steuerung in Darmstadt bei der ESA funktionierte wieder. Alte Konsolen wurden entstaubt, ein verstaubtes Windows-Update lief noch fertig. Dann, nach all der Zeit, stand der Koloss wieder im Zentrum der Weltgeschehnisse.
Das Update war abgeschlossen. Die letzte Bombe explodierte. Hannelore reichte Hannes den wohlverdienten Blaubeertrunk, und alle verfolgten gebannt die Bewegungen des Satelliten. Der alte Freund, so lange vergessen, war wieder da – und sein Auftritt sollte sein letzter sein.
Er steuerte auf den Asteroiden zu, die Kontrolle so reibungslos, als hätte er genau auf diesen Moment gewartet: nicht als Kadaver durchs All zu treiben, sondern als Held, als Symbol, für das er gebaut worden war. Er stellte sich dem kosmischen Feind in eiserner Pracht und drängte ihn ab.
Der letzte Ausschlag, die letzten Daten – und auf dem Monitor formte sich ein Herz.
Dann war der Koloss zerstört, der Asteroid vertrieben und alle Sprengkörper der Welt vernichtet. Hannes musste noch drei Trainingsstunden geben und würde morgen vielleicht Muskelkater haben – oder auch nicht.
Die Welt war gerettet. Und das Dosenpfand auch.