Kapitel 6 – Herzschlag im Orbit
Mit einem genervten Schnauben fegte Ingo Ingenieur den Haufen zerknitterter Notizen vom Tisch. Wochen voller Skizzen, Schaltpläne und Formeln – alles für die Katz. Keine davon brachte den toten Satelliten auch nur einen Millimeter näher an ein Lebenszeichen.
Er ließ sich in seinen Stuhl fallen, griff zum Handy und begann zu scrollen. Vielleicht würde ein bisschen digitaler Müll seinen Kopf frei machen. Katzenvideos. Politisch aufgeladene Memes. Werbung für vegane Mayonnaise. Noch mehr Katzenvideos.
Und dann – blieb er hängen.
Ein Selfie. Verschwitzt, strahlend, hochgebundene Haare mit ein paar grauen Strähnen. Darunter der Satz:
„Manchmal reicht ein gezielter Impuls, um alles wieder in Gang zu bringen.“
Der Algorithmus hatte entschieden, dass das für ihn relevant war. Er tippte auf den Namen: Hannelore Handeltstark – Designerin für Defibrillatoren. Auf ihrem Profil fand er Bilder von Versuchsaufbauten, bei denen winzige, millisekundengenaue Zündungen mechanische Systeme wieder in Bewegung brachten.
Da klickte es.
Kein Stromkabel. Keine teuren Reparatursatelliten. Stattdessen: gezielte Mikrodetonationen in unmittelbarer Nähe des Kadavers. Jede Explosion wie ein Herzschlag, der den Satelliten sanft, aber bestimmt aus seiner Starre rüttelte.
Ingo Ingenieur riss ein frisches Blatt aus dem Block und begann zu skizzieren. Eine Steuerkonsole, ein präzises Zündmodul, ein Schwarm winziger Sprengkapseln. Stunden später stand auf seinem Werkbankprototypen in krakeliger Schrift: „Herzschlaggeber“.
Er funktionierte – theoretisch. Nur das Handling war eine Katastrophe. Aber das würde er später lösen. Jetzt hatte er endlich einen Plan.