Kapitel 5 – Schweiß und Spurensuche
Hannes saß auf der Bank, die Trinkflasche in der Hand, und blickte auf das Wasser, als könnte es ihm verraten, wann die Blaubeere zurückkehren würde. Lustlos nahm er einen Schluck, während sein Blick irgendwo zwischen Boden und Wand verharrte.
Die Tür öffnete sich, und Hannelore Handeltstark trat ein. Von Beruf Designerin von Defibrillatoren – ein Job, den sie stets mit einer Mischung aus Stolz und Ironie beschrieb. Heute hatte sie eine Trainingseinheit bei Hannes gebucht.
Sie bemerkte sofort, dass etwas nicht stimmte. Hannes, sonst immer strahlend, wirkte… abwesend. Noch ein Schritt, und er sah sie – und dann war das traurige, blaubeerlose Leuchten in seinen Augen verschwunden. Stattdessen schenkte er ihr sein typisches, warmes Lächeln. Die Blaubeere war vergessen. Jetzt stand Hannelore im Mittelpunkt.
„Ach Hannes,“ begann sie, während sie ihre Sporttasche abstellte, „die oberflächliche Gehässigkeit in der Defibrillator-Designer-Community macht mich fertig.“ Hannes hob eine Augenbraue, schwieg und ließ sie weitersprechen. „Sag mal… was kann man eigentlich gegen kleine Fettpolster hier und da machen?“
Er zuckte die Achseln. „Hast du da Schmerzen oder irgendwie körperliche Einschränkungen?“ Sie zögerte. „Nein… eigentlich nicht.“ Hannes lächelte kurz und zuckte noch einmal die Schultern. „Dann lass uns lieber dafür sorgen, dass dein Rücken stark bleibt und deine Knie auch. Fitness ist vor allem da, um gesund zu bleiben – nicht um Oberflächlichkeiten zu füttern.“
Hannelore nickte anerkennend, auch wenn die bissigen Kommentare ihrer Kollegen noch im Hinterkopf hingen. Doch sobald sie mit Hannes’ Übungen begann, blieb dafür kein Platz mehr in ihren Gedanken. Die Gewichte, die Bewegungen, der Rhythmus – alles beanspruchte sie komplett.
Nachdem das Training beendet war, verabschiedete sich Hannelore erschöpft, aber erleichtert. Später, unter der Dusche, spürte sie, wie die klaren Gedanken zurückkehrten. Hannes blieb noch einen Moment allein im Studio, das Handtuch um den Hals, und lächelte. Genau dafür lebte er – Menschen wieder auf die Spur zu bringen. Durch Schweiß, durch Arbeit, durch den Blick nach vorn.