2026 Juli – Alpenüberquerung – Tag 4: Auf dem Ötztaler Urweg
Heute standen knapp 15 Kilometer auf dem Programm. Zunächst ging es mit dem Bus nach Umhausen. Von dort führte die Etappe nach Längenfeld, bevor wir anschließend wieder mit dem Bus nach Sölden weiterfuhren. Der erste Teil des Weges hatte es wieder in sich. Es ging lange bergauf und war ähnlich anstrengend wie gestern. Trotzdem soll es heute gar nicht so sehr um die Wanderung gehen, sondern um etwas, das mich mindestens genauso beschäftigt hat.
In den letzten Tagen haben mich viele Nachrichten erreicht. Immer wieder wurde mir geschrieben: „Das würde ich mich niemals trauen – ganz alleine.“ Genau deshalb möchte ich heute ein wenig Mut machen.
Die Alpenüberquerung habe ich über AbenteuerWege gebucht. Es ist mittlerweile meine dritte Wanderreise mit diesem Veranstalter. Die ersten beiden Touren habe ich gemeinsam mit Marion und Talha gemacht – an dieser Stelle liebe Grüße an euch beide. Alleine zu reisen ist für mich aber nichts Neues. Und genau diese Reise hat mich wieder daran erinnert, dass alleine unterwegs zu sein überhaupt nicht bedeutet, einsam zu sein.
Gerade bei einer organisierten Wanderreise begegnet man automatisch immer wieder denselben Menschen. Spätestens beim ersten oder zweiten Frühstück erkennt man sich wieder, grüßt sich freundlich und kommt ganz von selbst ins Gespräch.
Unsere kleine Gruppe ist bunt gemischt. Da ist ein Pärchen, das ich zwar nicht oft sehe, mit dem man sich aber jedes Mal herzlich begrüßt. Ein Historiker, der immer für einen interessanten Plausch zu haben ist. Silvia, mit der ich wohl am meisten gesprochen und häufig gemeinsam gefrühstückt habe. Sie ist ehemalige Krankenschwester und inzwischen Rentnerin. Man merkt ihr an, dass sie das Leben mit all seinen Höhen und Tiefen kennt und viele Menschen bis zu ihrem Lebensende begleitet hat.
Dann gibt es noch einen jüngeren, sehr sportlichen Wanderer. Die letzten Tage war er mir schon aufgefallen. Heute habe ich ihn schließlich im Bus gefragt, ob er auch über AbenteuerWege gebucht hat – und tatsächlich gehörte auch er zu unserer Gruppe. Außerdem sind noch zwei Freunde dabei, die einfach gemeinsam das Abenteuer genießen.
Heute war es besonders lustig. Fast alle haben – ohne sich abzusprechen – denselben Bus von unseren verschiedenen Hotels nach Umhausen genommen. So kamen wir schon vor dem eigentlichen Start ins Gespräch. Nur der Historiker war bereits eine Stunde früher unterwegs. Ihn traf ich später an einer Alm und auf der Rückfahrt saßen wir wieder gemeinsam im Bus.
Natürlich läuft jeder sein eigenes Tempo. Der junge Wanderer legte gleich ordentlich los. Ich wollte zunächst mithalten, verabschiedete mich vorher aber noch von Silvia, weil sich unsere Wege nach heute trennen. Einige bleiben noch eine zusätzliche Nacht in Sölden.
Also lief ich hinterher. Anfangs holte ich wieder etwas auf, weil er immer wieder auf die Karte schauen musste und ich einfach seiner Route folgen konnte. Doch am langen Anstieg zog er mir davon. An der nächsten Alm machte er Pause – und ich marschierte einfach weiter. Mein Motto: Der eiserne Wille läuft durch.
Später überholte er mich bergab wieder. Diesmal wollte ich ihn aber nicht einfach ziehen lassen. Ich blieb hartnäckig hinter ihm und biss die Zähne zusammen. Das hat ordentlich Kraft gekostet.
Kurz vor dem Ziel stieg er schließlich in den Bus und meinte, er würde die letzten zwei Kilometer fahren. Ich dachte nur: Nein, die laufe ich jetzt auch noch. Für einen kurzen Moment spielte ich sogar mit dem Gedanken, die restlichen Kilometer bis zum Hotel ebenfalls zu Fuß zu gehen.
Falls du das hier liest: Nein… ich war komplett fertig. Die zwei Kilometer haben völlig gereicht.
Was ich mit diesem Beitrag eigentlich sagen möchte, ist etwas anderes: Traut euch. Traut euch, alleine loszufahren. Traut euch, Menschen anzusprechen, deren Gesichter euch inzwischen vertraut geworden sind. Oft reicht schon ein freundliches „Hallo“, um ins Gespräch zu kommen.
Und wenn euch nur die Angst im Kopf davon abhält, dann ist das vielleicht sogar der beste Grund, es trotzdem zu tun. Denn genau dort beginnen oft die schönsten Abenteuer.


Allein heißt nicht einsam.


Mut schafft Begegnungen.


Abenteuer beginnen im Kopf.